Pitcairn jenseits der Bounty

Geschichte, Religion und imperiale Verflechtungen einer Pazifikinsel

Am Montag, 13. Juli 2026 ab 19:00, Teilnahme kostenlos.
Veranstaltungsraum auf dem Ponton neben der Flussschifferkirche, Hohe Brücke 2, 20459 Hamburg.

Pitcairn ist vielen als ‚Bounty‘-Insel bekannt, doch seine Geschichte reicht weit über diese berühmte Erzählung hinaus. Die Geschichte der Meuterei auf der HMS Bounty, die Flucht in den Pazifik und die spätere Ansiedlung der Meuterer auf einer weit abgelegenen Insel gehört zu den bekanntesten Erzählungen europäischer Pazifikgeschichte, wodurch ein Bild von Pitcairn entstand, das bis heute stark von Abenteuer, Isolation, Südsee-Romantik und dem Mythos der Bounty geprägt ist.

Unser Referent, der Literatur- und Kulturwissenschaftler Sebastian Jablonski, wird einen Blick darauf werfen, warum sich Reisende, Missionare, Schriftsteller, Historiker und Nachrichten-Medien für diese kleine, äußerst schwierig zu erreichende Insel interessierten. Die insgesamt 49 qkm große Inselgruppe liegt im Pazifik über 5.000 Kilometer von Neuseeland entfernt, nach Südamerika sind es etwa 5.700 km. ‚Pitcairn Island‘, das der Inselgruppe den Namen gab, ist die einzige besiedelte Insel und nur etwa 4,5 qkm groß; derzeit leben weniger als 50 Menschen dort, größtenteils Nachkommen der seinerzeitigen Meuterer.

Im 19. Jahrhundert wurde die Insel nicht nur als abgelegener Zufluchtsort der Bounty-Meuterer beschrieben, sondern auch als christliche Inselgemeinschaft und als Beweis dafür, dass europäische Religion und Ordnung auch an einem weit entfernten Ort im Pazifik Fuß fassen könn(t)en. Stimmt das wirklich? Es wird auch darum gehen, wie die Bewohnerinnen und Bewohner dieser kleinsten britischen Kolonie dargestellt wurden, was dabei ausgeblendet, vereinfacht oder romantisiert wurde, und wie aus den winzigen Inseln ein Knotenpunkt britischer, missionarischer und pazifischer Verflechtungen werden konnte. Heute stehen die Inseln nicht bloß zwischen historischen Projektionen und medialer Bekanntheit, sondern auch vor großen sozialen Herausforderungen und Bevölkerungsschwund.

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