40 Jahre Hamburg–Shanghai: Kann der Yu Garden zu einem Ort echten Kulturaustauschs werden?

40 Jahre Hamburg–Shanghai: Kann der Yu Garden zu einem Ort echten Kulturaustauschs werden?

Seit 40 Jahren verbindet Hamburg und Shanghai eine Städtepartnerschaft. Eines ihrer sichtbarsten Zeichen steht mitten in Rotherbaum: der Yu Garden mit seinen chinesischen Dächern, Innenhöfen, Teichen und der charakteristischen Zickzackbrücke.

Doch ein Gebäude allein schafft noch keinen Austausch.
Der Yu Garden hat in Hamburg eine wechselvolle Geschichte erlebt. Es gab Zeiten des Leerstands, unterschiedliche Nutzungskonzepte und immer wieder die Frage, welche dauerhafte Rolle dieser besondere Ort zwischen Hamburg und Shanghai eigentlich übernehmen kann.

Am 3. September 2026 kam eine neue Antwort hinzu. Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft wurde der Yu Garden als „China Intangible Cultural Heritage Overseas Experience Center“ vorgestellt. Bei einer Veranstaltung mit Gästen aus Hamburg und Shanghai wurden unter anderem traditionelle chinesische Teekultur, Musik und weitere Formen des immateriellen Kulturerbes präsentiert.

Doch interessanter als der neue Titel ist die Frage, was daraus in Zukunft entsteht.

Kulturaustausch sollte in beide Richtungen funktionieren

Chinesische Kultur in Hamburg sichtbar und erlebbar zu machen, ist nur eine Seite. Ein wirklicher Austausch entsteht erst dann, wenn auch Hamburger und deutsche Perspektiven ihren Weg nach Shanghai finden.

Warum sollten sich beispielsweise nicht Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker aus beiden Städten begegnen? Künstler, Designer oder Musiker könnten gemeinsame Projekte entwickeln. Schulen und Hochschulen könnten junge Menschen zusammenbringen. Traditionelles Wissen könnte mit zeitgenössischen Formen verbunden werden.

Gerade immaterielles Kulturerbe bietet dafür interessante Möglichkeiten. Es besteht nicht nur aus Objekten, die in Museen betrachtet werden können. Es lebt durch Menschen – durch Wissen, Handwerk, Musik, Rituale, Essen, Geschichten und Fähigkeiten, die weitergegeben werden.

Damit kann Kultur eine gemeinsame Sprache schaffen, auch wenn Herkunft, politische Systeme und gesellschaftliche Erfahrungen unterschiedlich sind.

Vom Symbol zum lebendigen Ort

Der Yu Garden könnte für einen solchen Austausch ein besonderer Ort sein.

Er sollte dabei weder ausschließlich Restaurant noch Kulisse für offizielle Empfänge sein. Seine Chance liegt darin, ein offener Begegnungsort zu werden, an dem Hamburgerinnen und Hamburger chinesische Kultur kennenlernen können – und an dem gleichzeitig neue gemeinsame Ideen entstehen.

Das könnte durch Workshops, Ausstellungen, Gespräche, kleine Kulturveranstaltungen und Kooperationen mit Hamburger Einrichtungen geschehen.

Entscheidend wird deshalb nicht die Plakette sein, die am 3. September übergeben wurde. Entscheidend wird sein, ob Menschen diesen Ort künftig tatsächlich nutzen und mit Leben füllen.

Nach 40 Jahren Städtepartnerschaft stellt sich damit vielleicht eine neue Frage:

Wie wollen Hamburg und Shanghai ihre nächsten 40 gemeinsamen Jahre gestalten?

Der Yu Garden könnte ein Ort sein, an dem einige der Antworten entstehen.

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