Wie die „Kühne-Oper“ problematische Geschichten begräbt - Historische Kurzvorträge zu kolonialen und NS-Verbrechen

Der Milliardär und Mäzen Klaus-Michael Kühne will der Stadt Hamburg eine
neues Operngebäude „schenken“. Diese soll auf dem Gelände des ehemaligen
Baakenhafens in der HafenCity erbaut werden. Kühnes Angebot ist in
erinnerungspolitischer Hinsicht jedoch sehr problematisch. Erstens war seine
Speditionsfirma Kühne + Nagel an NS-Verbrechen beteiligt. Die Firma
bereicherte sich an der antisemitischen Verdrängungspolitik gegen die
jüdische Konkurrenz und sie profitierte vom Raub von Möbeln aus jüdischem
Besitz. Klaus-Michael Kühne, Sohn und Erbe des damaligen Geschäftsführers,
übernimmt bislang keinerlei Verantwortung dafür. Zweitens ist die
Örtlichkeit des Baakenhafens kolonialhistorisch vorbelastet. Hier schifften
die Zehntausenden deutschen Soldaten ein, die für den Genozid an den Herero
und Nama zwischen 1904-1908 in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika, dem
heutigen Namibia, verantwortlich waren. Ein kolonialer Erinnerungsort würde
durch das neue Operngebäude überdecken.

Zwei Kurzvorträge mit anschließendem Gespräch soll diese Geschichte
aufbereiten und die Pläne des Hamburger Senats kritisch beleuchten.

Unsere Gäste:

Henning Bleyl ist Journalist und Geschäftsführer der Heinrich-Böll-Stiftung
Bremen. Er hat sich in zahlreichen Artikeln und Vorträgen intensiv mit der
NS-Geschichte von Kühne + Nagel befasst. Er ist Initiator des Bremer
Mahnmals zur Beraubung von Jüdinnen und Juden während des
Nationalsozialismus, das in Sichtweite der Deutschlandzentrale von Kühne +
Nagel steht.

Dr. Kim Todzi ist Historiker an der Universität Hamburg. Er arbeitet seit
vielen Jahren zur Kolonialgeschichte in Hamburg. In seiner Dissertation
„Unternehmen Weltaneignung. Der Woermann-Konzern und der deutsche
Kolonialismus 1837-1916“ hat er u.a. die Bedeutung des Baakenhafens als
koloniallogistische Drehscheibe eingehend untersucht.

Moderation: Dr. Rhena Stürmer, Historikerin, Universität Leipzig

  1. Juni 2026, um 18:30 Uhr, im Centro Sociale, Sternstraße 2 (Nähe U-Bahn
    Feldstrasse)

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